IHHT & Long Covid

IHHT bei Long Covid: Was Studien zeigen und was vorher wichtig ist

Von Uli Gutbrod · · Überarbeitet am · 4 Min. Lesezeit

Erschöpfung, Atembeschwerden oder Konzentrationsprobleme nach Covid-19 können den Alltag stark begrenzen. IHHT wird als zusätzliche Maßnahme in der Rehabilitation untersucht. Ob diese Anwendung für Sie infrage kommt, hängt besonders von Ihrer Belastungsverträglichkeit und den vorliegenden Befunden ab.

Person mit Mund-Nasen-Schutz hinter einem Schild mit der Aufschrift #covid
Person mit Mund-Nasen-Schutz hinter einem Schild mit der Aufschrift #covid

Long Covid ist keine einheitliche Ausgangssituation

Zwei Menschen können beide von Erschöpfung sprechen und doch sehr unterschiedlich auf Belastung reagieren. Eine Person ist nach einem Spaziergang angemessen müde. Eine andere erlebt erst am folgenden Tag eine deutliche Verschlechterung. Für zusätzliche Anwendungen ist dieser Unterschied wesentlich.

Vor einer Empfehlung interessiert mich deshalb, welche Beschwerden bestehen, welche Untersuchungen erfolgt sind und wie Ihr Alltag gerade möglich ist. Der Begriff Long Covid allein sagt nicht, welche Maßnahme geeignet wäre. Auch eine pauschale Laborliste aus dem Internet beantwortet diese Frage nicht.

Eine kontrollierte IHHT-Pilotstudie liefert erste Hinweise

Doehner und Kollegen untersuchten 2024 insgesamt 145 Menschen während einer stationären Long-Covid-Rehabilitation. 70 erhielten zusätzlich IHHT, 75 nahmen am Standardprogramm teil. In der IHHT-Gruppe verbesserten sich mehrere untersuchte Ergebnisse stärker, darunter Gehstrecke, Erschöpfung und Lebensqualität.

Die Zuteilung war nicht randomisiert, und die Behandlung erfolgte offen. Zudem fand IHHT innerhalb einer umfassenden stationären Rehabilitation statt. Die Ergebnisse sind deshalb interessant, beweisen aber weder eine Heilung von Long Covid noch den gleichen Nutzen einer alleinstehenden Anwendung in jeder Ausgangssituation.

PEM und PESE müssen vor einer Anwendung angesprochen werden

Postexertionelle Malaise beziehungsweise postexertionelle Symptomverschlechterung bedeutet, dass Beschwerden nach Belastung deutlich zunehmen können. Das kann körperliche, geistige oder soziale Aktivitäten betreffen. Der Zusammenhang wird manchmal erst durch Notizen über mehrere Tage erkennbar.

Die WHO empfiehlt bei PESE angepasste Strategien zur Einteilung von Energie, etwa Pacing. Daraus folgt für meine Begleitung: Eine Belastung wird nicht einfach gesteigert, weil sie am selben Tag noch erträglich erscheint. Eine spätere Verschlechterung muss in die Beurteilung einbezogen werden.

  • Was habe ich am Tag vor einer Verschlechterung getan?
  • Wie lange dauert es, bis sich die Beschwerden wieder beruhigen?
  • Welche Aktivitäten sind zuverlässig verträglich?
  • Gibt es eine ärztliche Einschätzung zu PEM, Kreislauf oder Atembeschwerden?

Auch Sauerstofftraining im Liegen setzt einen Reiz

IHHT erfordert keine Bewegung auf einem Trainingsgerät. Dennoch verändert es die Sauerstoffbedingungen und löst körperliche Reaktionen aus. Im Liegen zu trainieren bedeutet daher nicht automatisch, dass die Anwendung für Menschen mit schwerer Belastungsintoleranz geeignet ist.

Positive Reha-Ergebnisse dürfen nicht auf alle Menschen mit Long Covid oder ME/CFS übertragen werden. Bei ausgeprägter PEM, ungeklärten Herz- oder Lungenbeschwerden und deutlichen Kreislaufproblemen steht zunächst die medizinische Einschätzung im Vordergrund. Eine Zusage allein nach einem telefonischen Stichwort wäre nicht verantwortbar.

Was HRV ergänzen kann und was sie nicht entscheidet

Eine HRV-Messung kann zusätzliche Informationen zur autonomen Regulation des Herzens liefern. Ihre Ergebnisse werden zusammen mit Messbedingungen, Befinden und bisherigen Befunden besprochen. Die HRV stellt weder eine Long-Covid-Diagnose noch eine Freigabe für Hypoxietraining dar.

Wenn eine Begleitung vereinbart wird, gehören konkrete Beobachtungen dazu. Wie vertragen Sie die Termine? Was gelingt Ihnen im Alltag? Kommt es im Anschluss zu einer Verschlechterung? Eine Messkurve und Ihre tatsächliche Belastbarkeit werden gemeinsam betrachtet.

Zuerst persönlich besprechen, dann über Anwendungen entscheiden

Wenn Sie sich für IHHT in Überlingen interessieren, nennen Sie bitte schon bei der Anfrage, dass es um Long Covid geht. Berichten Sie auch von einer möglichen verzögerten Belastungsverschlechterung. Für das erste Gespräch sind vorhandene Befunde und eine kurze Beschreibung Ihrer derzeitigen Möglichkeiten hilfreicher als eine lange Liste erhoffter Wirkungen.

Wir klären, welche Informationen noch fehlen und ob eine zusätzliche Anwendung überhaupt infrage kommt. Es kann sinnvoll sein, vorerst kein IHHT zu beginnen. Ein Informationsgespräch soll Ihnen eine klare Einordnung geben und Sie nicht zu einer Trainingsserie drängen.

Eine Reha-Studie ist keine Freigabe bei jeder Form von Long COVID

Die untersuchte stationäre Situation mit ausgewählten Teilnehmern unterscheidet sich von einer einzelnen Anwendung außerhalb der Rehabilitation. Besonders Menschen mit ausgeprägter PEM, sehr geringer Belastbarkeit oder instabilen Beschwerden dürfen daraus keine automatische Eignung ableiten.

Für ein Erstgespräch ist hilfreich, ob Ihre Beschwerden während einer Aktivität oder erst später zunehmen. Auch Anfahrt und Gespräch können relevant sein. Es kann sinnvoll sein, vorerst keinen zusätzlichen Sauerstoffreiz einzusetzen. Eine Entscheidung gegen eine Serie ist kein Scheitern, sondern kann zu Ihrer aktuellen Situation passen.

Dieser Beitrag dient der Information. Persönliche gesundheitliche Fragen und die Eignung für IHHT klären wir vor einer Anwendung; erforderliche medizinische Untersuchungen gehören in ärztliche Hände.

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