HRV & Regeneration

HRV und Stress: Was eine Messung zeigt – und was sie offenlässt

Von Uli Gutbrod · · Überarbeitet am · 3 Min. Lesezeit

Ein Ergebnis auf dem Bildschirm kann Fragen aufwerfen: Ist mein Wert gut? Habe ich zu viel Stress? Und woran erkenne ich, ob ich mich besser erhole? Für eine brauchbare Antwort braucht es mehr als den Vergleich mit einer Tabelle.

Beispiel einer HRV-Auswertung für das persönliche Gespräch
Beispiel einer HRV-Auswertung für das persönliche Gespräch

HRV beschreibt zeitliche Unterschiede zwischen Herzschlägen

Die Herzratenvariabilität erfasst die Unterschiede der Zeitabstände zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen. Bestimmte Kennwerte können unter geeigneten Bedingungen Informationen über die autonome Regulation des Herzens liefern.

Das ist keine direkte Messung aller Belastungen in Ihrem Leben. Ein Ergebnis sagt auch nicht, welches Problem Sie beschäftigt oder wie Sie eine bestimmte Situation erleben. Diese Fragen beantworten wir im Gespräch.

Ein Wert braucht seine Messbedingungen

Für einen Vergleich müssen wir wissen, wie die Daten erhoben wurden. Messdauer, Körperhaltung, Atmung, Tageszeit und die Qualität der Aufzeichnung spielen eine Rolle. Auch Medikamente und die individuelle gesundheitliche Situation gehören zur Einordnung.

Ein Wert aus einer anderen App, einer anderen Messdauer oder einer anderen Situation lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres danebenlegen. Ein scheinbar deutlicher Unterschied kann mehrere Gründe haben.

HRV ist kein Cortisoltest

Bei einer HRV-Messung werden Herzschlagabstände erfasst. Dabei wird weder Blut noch Speichel auf Cortisol untersucht. Aus dem Ergebnis lässt sich deshalb kein persönlicher Cortisolspiegel ablesen.

Ebenso beantwortet ein einzelner HRV-Wert nicht, warum Sie müde sind oder welche Erkrankung vorliegt. In meiner Arbeit ergänzt die HRV das Gespräch über Belastung und Erholung. Sie ersetzt weder Ihre eigene Wahrnehmung noch eine erforderliche medizinische Abklärung.

Was beim persönlichen Verlauf wichtig wird

Wenn wir wiederholt messen, legen wir vorher fest, unter welchen Bedingungen das geschieht. Dazu halten wir auch fest, was Sie im Alltag beobachten. So können wir später besprechen, ob Messverlauf und Befinden zusammenpassen.

Sie müssen nicht jeden Tag einem höheren Wert nachgehen. Sinnvoller ist eine vereinbarte Fragestellung: Was möchten wir mit den Messungen herausfinden, welche Veränderungen erproben wir und wann werten wir gemeinsam aus?

Die Auswertung führt zurück zu Ihrem Alltag

Für mich ist das Gespräch nach der Messung ein wesentlicher Teil der Arbeit. Sie sollen verstehen, was Ihre Ergebnisse aussagen und welche Fragen offenbleiben. Wir besprechen anschließend, welche Veränderungen für Sie praktikabel sind.

In der Atemlounge Überlingen gehört eine HRV-Messung mit persönlicher Auswertung zum Energie-Check. Wenn Sie zunächst wissen möchten, wie die Messung abläuft, können Sie ein Informationsgespräch anfragen.

Eine Ruhekurve und eine Atemübung getrennt betrachten

Langsame angeleitete Atmung kann die HRV während der Übung verändern. Ein solcher Wert wird deshalb nicht unkommentiert mit einer Messung unter freier Atmung verglichen. Auch Werte verschiedener Geräte oder unterschiedlicher Aufzeichnungsdauer können verschiedene Fragen abbilden.

Wenn Sie vorhandene Daten mitbringen, nennen Sie Gerät, Messzeit und Situation. Ein auffälliger Einzelwert wird nicht als Beweis einer neuen Krankheit oder einer erfolgreichen IHHT-Serie verwendet. Für eine vernünftige Auswertung besprechen wir das Muster unter vergleichbaren Bedingungen und was Sie gleichzeitig im Alltag erleben.

Dieser Beitrag dient der Information. Persönliche gesundheitliche Fragen und die Eignung für IHHT klären wir vor einer Anwendung; erforderliche medizinische Untersuchungen gehören in ärztliche Hände.

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