Atmung & Biofeedback

Meine HRV steigt beim langsamen Atmen: Ist das schon Trainingserfolg?

Von Uli Gutbrod · · 3 Min. Lesezeit

Nach wenigen Minuten Atemübung sieht die Kurve deutlich anders aus. Das ist interessant – und noch keine Aussage über deine Erholung in den nächsten Wochen.

Menschen liegen für eine angeleitete Atem- und Entspannungsübung auf Matten
Motiv aus dem vorhandenen Bildbestand zum Thema Atmung; keine Darstellung eines konkreten Studienablaufs. Foto: Uli Gutbrod · vorhandener Website-Bildbestand.

Langsames Atmen kann die HRV während der Übung deutlich verändern. Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse beschreibt solche Effekte. Wenn deine Werte beim Üben steigen, kann das also eine unmittelbare Reaktion auf die veränderte Atmung sein. [1]

Diese Reaktion ist nicht dasselbe wie eine dauerhaft verbesserte Ruhe-HRV. Du hast gerade eine Bedingung verändert, die selbst auf die Messung wirkt. Deshalb sollte der Übungswert getrennt von deiner gewöhnlichen Ruhe-Verlaufsmessung bleiben.

Zwei Fragen statt einer einzigen Zahl

Während der Übung lautet die Frage: Kann ich einen ruhigen, angenehmen Rhythmus finden und dabei eine nachvollziehbare Rückmeldung sehen? Über mehrere Wochen lautet sie: Hilft mir das Üben im Alltag? Kann ich nach Belastung leichter zur Ruhe kommen, und wie entwickelt sich mein Befinden?

Diese Fragen können unterschiedliche Antworten haben. Eine Studie von 2026 verglich vier Wochen Biofeedback mit individueller Resonanzfrequenz, mit festem Atemtempo und einer Kontrollgruppe. Die Übungsgruppen berichteten Verbesserungen psychischer Beschwerden; die Ruhe-HRV veränderte sich nicht signifikant. Das Ergebnis erinnert daran, dass Symptomveränderung und Ruhewert nicht zwingend gemeinsam auftreten. [2]

So vermeidest du einen falschen Vorher-nachher-Vergleich

Miss für deinen Ruheverlauf nach deinem üblichen Protokoll und mit ungezwungener Atmung. Speichere die Atemübung anschließend als eigene Einheit. Beschrifte beides eindeutig. Ein spontaner Ausgangswert und der beste Wert während bewusst langsamer Atmung sind kein fairer Beweis für einen dauerhaften Fortschritt.

Wenn du mit einer Fachperson trainierst, frage, was genau als Erfolg beobachtet werden soll. Geht es zunächst darum, die Übung zu lernen? Um eine Reaktion während des Trainings? Oder um Veränderungen außerhalb der Übungszeit? Jede dieser Fragen braucht eine passende Messung.

Das Üben darf unspektakulär sein

Du musst nicht mit jedem Atemzug den Ausschlag vergrößern. Achte zuerst darauf, ob du frei und bequem atmest. Eine ruhigere Erfahrung kann wertvoll sein, auch wenn der Bildschirm nicht den höchsten Wert zeigt. Wenn du nur noch versuchst, die Anzeige zu verbessern, wird aus der Übung leicht eine weitere Aufgabe, die du erfüllen möchtest.

Notiere nach einer Einheit lieber einen kurzen Satz: „Ich saß fünf Minuten ruhig und war danach weniger angespannt.“ Ergänze nach einigen Tagen, ob sich das auf konkrete Situationen übertragen lässt. So bleibt das Training mit deinem Leben verbunden. Die Kurve darf dir Rückmeldung geben; sie soll nicht zum einzigen Zweck der Übung werden.

Dieser Beitrag dient der Information. HRV ersetzt keine ärztliche Diagnose. Deine Beschwerden und die Messbedingungen gehören zur Einordnung.

Die Hauptfassung dieses Beitrags findest du im Zentrum für Prävention & Regeneration.

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