Schlaf & Alltag

HRV im Führungsalltag: Wie werden aus Daten brauchbare Pausen?

Von Uli Gutbrod · · 3 Min. Lesezeit

Du kennst deinen Erholungswert. Trotzdem jagt ein Termin den nächsten. Die schwierigere Aufgabe ist häufig nicht das Messen, sondern einen Arbeitstag so zu verändern, dass eine Pause überhaupt Platz hat.

Mann bei der Arbeit an einem Bildschirm mit technischen Zeichnungen
Symbolfoto zum Arbeitsalltag; die abgebildete Person ist kein Patientenbeispiel. Foto: Uli Gutbrod · vorhandener Website-Bildbestand.

Eine weitere Anzeige löst keinen überfüllten Kalender. Wenn du regelmäßig ohne Übergang zwischen Gesprächen wechselst, brauchst du zunächst eine organisatorische Entscheidung: Welche Lücke bleibt tatsächlich frei, und wer schützt sie vor dem nächsten Termin?

HRV-Biofeedback kann dabei als Übungsform erprobt werden. Eine kleine randomisierte Studie im betrieblichen Umfeld fand jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen Biofeedback, Achtsamkeit und Kontrollgruppe. [1] Es wäre deshalb überzogen, einer Führungskraft durch ein bestimmtes Atemprogramm sicher bessere Belastbarkeit zu versprechen. Auch offizielle Informationen zu Stress betonen, dass Unterstützung und der Umgang mit Belastungsursachen dazugehören. [2]

Beginne bei einem wiederkehrenden Übergang

Wähle nicht den ganzen Arbeitstag als Baustelle. Nimm eine Situation, die regelmäßig vorkommt: das Ende einer Besprechung, die Mittagspause oder den Heimweg. Frage dich, was dort konkret fehlt. Ist es Bewegung, Ruhe, Essen oder die Möglichkeit, eine Aufgabe gedanklich abzuschließen?

Für den Übergang nach einem schwierigen Gespräch könnte die praktische Regel lauten: kurz aufstehen, nichts Neues öffnen, die nächste Priorität notieren. Das ist ein redaktioneller Vorschlag zur Arbeitsorganisation, keine durch HRV-Forschung geprüfte Standardintervention. Er soll dir ermöglichen, einen kleinen Unterschied im realen Ablauf zu testen.

Messen und Pausieren müssen nicht gleichzeitig stattfinden

Wenn jede Unterbrechung mit Sensor und App beginnt, wird sie leicht zur nächsten Aufgabe. Du kannst deine Messroutine auf einen festen ruhigen Zeitpunkt begrenzen und die Pausen ohne Daten nutzen. Eine Atemübung darf ebenfalls ohne Punktzahl enden.

Entscheidend ist, ob du nach der Pause wieder klarer handeln kannst und ob sie tatsächlich stattfindet. Wenn eine geplante zehnminütige Pause fast immer entfällt, kann ein kürzeres geschütztes Zeitfenster alltagstauglicher sein. Aus dieser pragmatischen Anpassung folgt keine feste medizinische Dosierung.

Was die HRV nicht aus deiner Verantwortung nimmt

Dauerhafte Erreichbarkeit, unklare Zuständigkeiten oder zu viele parallele Projekte lassen sich nicht wegatmen. Schau deshalb auch darauf, welche Entscheidung außerhalb deines Körpers nötig ist. Muss eine Aufgabe abgegeben werden? Ist die Erwartung an Reaktionszeiten ausgesprochen? Gibt es einen Konflikt, den du seit Wochen vertagst?

Ein ungünstiger Messverlauf kann Anlass sein, Belastung genauer anzusehen. Er beweist aber weder eine bestimmte Stressursache noch deine persönliche Eignung für eine Führungsrolle. Teile solche Gesundheitsdaten im Arbeitsumfeld nur bewusst; Mitarbeitende brauchen daraus keinen Leistungsmaßstab abzuleiten.

Wenn du nach zwei Wochen eine verlässlichere Pause im Kalender hast, ist etwas Konkretes gelungen. Eine steigende Kurve wäre eine zusätzliche Beobachtung. Die organisatorische Verbesserung steht auch ohne sie.

Dieser Beitrag dient der Information. HRV ersetzt keine ärztliche Diagnose. Deine Beschwerden und die Messbedingungen gehören zur Einordnung.

Die Hauptfassung dieses Beitrags findest du im Zentrum für Prävention & Regeneration.

Energie-Check149 €